Er möchte nicht falsch verstanden werden. „Es ist sinnvoll und richtig, Perfektes leisten zu wollen“, sagt Raphael M. Bonelli. Ein hoher Anspruch sorgt schließlich für Wachstum und Fortschritt. „Das Problem ist nur: Ein Perfektionist hält diese fruchtbare Soll-Ist-Spannung nicht aus, sie zerreißt ihn. Aus dem förderlichen ‚Soll‘ ist für ihn ein starres und unerbittliches ‚Muss‘ geworden“, erklärt der Wiener Psychiater. „Man versteht diese Vorgänge besser, wenn man weiß, dass Perfektionismus nicht das Streben nach Exzellenz ist, sondern vielmehr ein Vermeidungsverhalten.“
Wer perfekt arbeitet, super aussieht und über ein stets gestyltes Eigenheim und eine 1a-Facebook-Seite verfügt, könne schließlich weder kritisiert, infrage gestellt noch gekündigt werden. In der Tiefe der perfektionistischen Brust brodeln große Ängste vor Liebesentzug und sozialer Ausgrenzung. „Liebe muss durch Leistung verdient werden“ lautet das innere Dogma, das alles Handeln bestimmt. „Doch das Ringen um bombensichere Unangreifbarkeit hat einen Preis“, sagt Bonelli. „Wir bezahlen es mit unserer Lebendigkeit und verzichten auf authentische Beziehungen.“
Der ganze Artikel kann im Frauenmagazin emotion nachgelesen werden.