Wie sehen Sie das bei Hillary Clinton, seiner ehemaligen Konkurrentin, deren Traum zerplatzt ist?
Auch sie war nicht bei mir in Behandlung. Doch sehe ich bei ihr ähnliche Züge. Beide kreisten bei ihren Auftritten um sich selbst. Sie zeigte aber mehr kaltes Kalkül und kippte teilweise in die Perfektionistenfalle. Bei Frauen besteht eher diese Gefahr. Aber: Doppelt so viele Männer als Frauen sind Narzissten. Der Unterschied: Ein Perfektionist hat kein Charisma. Er ist unecht und durchaus angstvoll („Bin ich gut genug?“), hat eine Maske auf und ist berechnend. Der Narzisst hingegen ist charismatisch, emotional und zeigt, wie er wirklich ist. Das ist den Leuten irgendwie sympathisch. Wo der Perfektionist angespannt wirkt, genießt der Narzisst hingegen das „Schauen Sie mich an“. Viele sagten ja im Wahlkampf, „Hillary ist das kleinere Übel“. Ich denke schon, dass viele Hillary gewählt haben, um Trump zu verhindern. Aber wenige argumentierten: „Hillary ist die Beste.“ Das Ergebnis haben wir seit dem 9. November vorliegen.
Ein Trump, ein Erdogan, ein Putin genügen sich selbst.
Man sollte diese Diskussion unbedingt von diesen doch erfolgreichen Politikern loslösen. Keiner von ihnen wird sich auf den Weg der Läuterung begeben. Sie sind beratungsresistent, auch wenn sie immer wieder anecken und für Empörung sorgen. Teamgeist gilt hier als Fremdwort.
Das ganze Interview kann in der Wiener Zeitung nachgelesen werden.