
Die Beichte kann warten
Aus Sicht der modernen Medizin liegen die Patres völlig richtig. In seinem Buch „Selber Schuld!“ schreibt der Wiener Neurowissenschaftler und Psychiater Raphael Bonelli: „In der Psychiatrie begegnet man heutzutage kaum noch Menschen, die Sexualität verdrängen…aber verdrängt wird heute mindestens genauso viel Bedrohliches wie damals: die eigene Schuld nämlich“. Nachdem der Begriff „Sünde“ jahrzehntelang aus dem psychotherapeutischen Vokabular praktisch verschwunden war, lässt sich in der Seelenheilkunde gegenwärtig eine Trendwende beobachten. Zunehmend raten Therapeuten dazu, sich der eigenen Schuld zu stellen, anstatt sie zu relativieren oder zu verdrängen. Der Grund: „Verdrängte Schuld bleibt im Unterbewussten und beginnt ein Eigenleben… wir sind nicht automatisch entschuldigt, nur weil wir eine wissenschaftliche Erklärung für unser Verhalten haben. Wir sind nicht schuldlos, wenn wir unseren Zorn ungezügelt ausleben, unserem Neid oder unserer Trägheit nachgeben, unseren Hochmut pflegen“, findet Bonelli. „Auch wenn man in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen ist, kann man erkennen, dass man Grenzen überschreitet“, zitiert er den Psychologen Heiko Ernst. Und sowohl bei den Opfern als auch bei den Tätern solcher Grenzüberschreitungen seien psychische Schäden die Folge.
Der ganze Artikel, der am 6. November 2018 auf der Nachrichtenplattform CNA deutsch erschienen ist, kann hier nachgelesen werden.
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